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Abi-Jahrgang 1949 besucht Maria-Theresia-Gymnasium

Vom Lernen in Zeiten des Krieges

Vom Bombentreffer 1940, einer Schule ohne Hefte und Klassen mit bis zu 60 Schülern: Acht Schüler des Abi-Jahrgangs 1949 besuchten anlässlich ihres 70-jährigen Abiturjubiläums das Maria-Theresia-Gymnasium und erzählten Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klassen von ihrer Schulzeit. Die acht über 90-jährigen Männer verbindet eine lange Geschichte: Gemeinsam machten sie 1949 an der damaligen Maria-Theresia-Oberrealschule Abitur und treffen sich seitdem einmal im Montag zum Stammtisch. Nur einmal fiel dieser in all den Jahren aus.

Die acht ehemaligen Schüler des MTG erzählten den 9. und 10.-Klässerln zahlreiche Anekdoten aus einer lang zurückliegenden Zeit: zum Beispiel von einem Bombentreffer, der 1940 das Schulhaus traf und in dessen Folge nicht nur der Dachstuhl abbrannte. Dieser aber war selbst bis zu ihrem Abitur 1949 nicht wieder hergestellt. Ohnehin habe es zwischen 1943 und 1945 fast täglich Luftangriffe gegeben, weshalb die Schule bei Weitem nicht das Wichtigste gewesen war. Vielmehr ging es darum, „irgendwie durchzukommen“, wie etliche Ehemalige betonten. Das galt umso mehr, da viele von ihnen als 15-Jährige im März 1945 noch in den sogenannten „Volkssturm“, das letzte Aufgebot des untergehenden NS-Staates, einberufen wurden. Zwar konnte auch der eine oder andere der Einberufung entkommen oder trotz einer möglichen Todesstrafe desertieren – Robert Seidenader etwa entkam während seiner Verhandlung vor dem Kriegsgericht in den durch einen Fliegeralarm ausgelösten Tumult. Dennoch machten viele der damals jungen Menschen noch unmittelbare Erfahrungen mit dem Krieg wie beispielsweise als Luftwaffenhelfer oder als Brandwache im MTG. Hierzu wachte man die Nacht durch auf einem Feldbett im Treppenhaus des heutigen Gymnasiums. Die Stelle, an der das Bett stand, konnte Heinz Friedlein noch heute zeigen. Als die Kriegszeit dann vorbei war, in der Erzählung ganz persönlich geschildert in der Begegnung mit einem US-Soldaten im Jeep am Nockherberg, änderte sich auch das Schulleben. Schulbücher gab es nicht mehr, da alles „Naziliteratur“ war, wie es Robert Seidenader nannte. Die Lehrer waren teils 70-jährige Pensionisten – denn andere, die ideologisch unverdächtig waren, gab es noch nicht. Und die Klassen waren mit 50 bis 60 Schülern sehr voll, denn auch das heutige Pestalozzi-Gymnasium war gleichzeitig im Schichtbetrieb am MTG untergebracht. Und: An der Knabenschule gab es im Abi-Jahrgang 1949 sogar ein Mädchen. Froh waren alle, als sie dann endlich ihr Abiturzeugnis in den Händen hielten. Für sie war es die Eintrittskarte in eine Welt voll ungewisser Chancen. „Aber wir wollten endlich arbeiten, um Geld zu verdienen und uns endlich vielleicht mal etwas kaufen zu können“, sagte einer der Ehemaligen. Und so wurden Sie Geiger, Werkzeugmacher oder Maschinenbauingenieur. Bauten den Sylvensteinspeicher, drei U-Bahnhöfe in München oder musizierten am Opernhaus in Zürich.

Den aktuellen Schülern gab jeder von ihnen noch einen Ratschlag mit ins Leben: „Lernt Sprachen, sie öffnen euch neue Welten!“ Oder: „Mit viel Willen und Energie kann man alles erreichen!“ Und nicht zuletzt: „Man kann auch in einer Prüfung ein ‚vollkommen ungenügend‘ erhalten – und trotzdem im Leben etwas erreichen!“


Stand: 26.06.2019

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